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Reading List Oktober

von Martin Spindler

Mit dem abgeblasenen Börsengang WeWork’s scheint sich die Diskussion rund um Startups langsam zu drehen, und jene, die schon immer “wo ist der wirkliche Wert” geschrien haben, wähnen sich im Recht. Dass Startups immer schon experimentell waren, steht für uns jedoch außer Frage. Die größere Herausforderung scheint vielmehr, erfolgreiche Modelle frühzeitig zu erkennen, und gelegentliche Fehlschläge trotzdem verkraften zu können.

Damit in die Rückschau auf die spannendsten Artikel und Veröffentlichungen des letzten Monats:

Advantage Flywheels – FutureBlind

Max Olson schreibt mit eingänglichen Visualisierungen über die komplexen Wettbewerbsvorteile, die digitale Unternehmen mittlerweile aufgebaut haben. Ob diese nun Schwungräder oder Burggraben genannt werden ist zweitrangig: was zählt ist, dass jenseits von Skaleneffekten digitale Wettbewerbsvorteile entstehen, die aber auch analysiert werden können.

FutureBlind liefert einen ersten guten Einstieg, um sich strukturiert mit digitalen Wettbewerbsvorteilen auseinanderzusetzen.

New Productivity – Benedict Evans

Benedict Evans ist als Partner beim US Risikokapital-Fonds Andreessen-Horowitz unbestritten am Puls der Zeit. Somit sind seine Beobachtungen zu Entwicklungen im Startup-Ökosystem immer spannend. Neuerlich wagt Evans einen Blick auf eine neue Kategorie an Startups, welche sich nicht wirklich an Endkonsumenten richten, sondern deren Mission eher mit ”Disrupt Excel“ umschrieben werden kann. Wir bei hy glauben schon länger an Enterprise und Industrie als die nächsten Disruptionsfelder, und somit ist es natürlich spannend aufbereitet zu sehen, in welchen Formen selbst Microsoft mit neuen digitalen Wettbewerbern in Konkurrenz treten muss.

What’s behind Technological Hype? – Jeffrey Funk

Ein Argument, welches man vor allem vor dem Hintergrund von WeWork und UBER häufig hört: “Aber was ist denn an den Startups wirklich neu?” – gerne gekoppelt mit dem Vorwurf, dass dies doch alles Hype sei, und somit von den wirklichen Problemen nur ablenke. Ein ähnliches Argument liefert Jeffrey Funk. Seine Kernthese: anstatt neue digitale Technologien und Geschäftsmodelle zu “hypen” sollte man sich lieber auf die ökonomischen Effekte konzentrieren.

Den Artikel verlinken wir hier nicht, weil wir das Argument unterstützen, sondern weil wir am Diskurs interessiert sind. Für uns sind Startups vor allem Experimente um neue ökonomische Funktionsweisen auszuprobieren und zu skalieren. Es lohnt sich also immer, einen Blick auf die Experimente zu wagen, die andere durchführen, und für sich zu entscheiden, welche zielführend scheinen.

Travel and Mobility Tech – Lufthansa Innovation Hub

Wie vielfältig diese Experimente aussehen können zeigt die letzte Veröffentlichung unserer Freunde beim Lufthansa Innovation Hub. Mit der Veröffentlichung ihrer Travel and Mobility Tech-Studie liegt jetzt ein Gesamtschau interessanter Startups und Geschäftsmodelle im weiteren Reisekontext vor. Spannend vor allem, da man sich eben nicht nur Wettbewerber in der Luftfahrt anschaut, sondern das Feld bis hin zu den viel diskutierten E-Scootern spannt. Und genau diesen Blick sollten mehr Unternehmen wagen: welche Experimente finden an meiner Peripherie statt, welche Startups gründen sich, die, wenn sie erfolgreich sind, für das eigene Unternehmen Blaupause, oder eben Risiko, sein könnten. Genau diesen Blick auf Experimente, den der Lufthansa Innovation Hub praktiziert, brauchen wir.

The Global Competitiveness Report — World Economic Forum (pdf)

Wie dringend weiter experimentiert werden muss zeigt die Globale Wettbewerbsfähigkeitsstudie des World Economic Forums. In der aktuell vorliegenden Auswertung landet Deutschland mittlerweile nur noch auf Platz 7, eine Verschlechterung um vierRänge im Vergleich zum Vorjahr und symptomatisch für ein nur zähes Einlassen auf Experimente, vor allem wenn es um Digitale Geschäftsmodelle und Innovation geht. Vor allem im Hinblick auf Entrepreneurial Culture – oder Unternehmertum – tut sich Deutschland schwer, und rutscht bei einem so kritischen Wachstumsfaktor weiter ab. Machen wir uns nichts vor: modernes Unternehmertum, welches nachhaltiges Wirtschaftswachstum beflügelt, findet heute vor allem digital statt. Es bleibt viel zu tun.

Über den Autor

Martin Spindler unterstützt unsere Kunden bei strategischen Fragestellungen der Digitalisierung. Er hat extensive Startup-Erfahrung und war zuletzt Gründer eines Strategieberatungs-Netzwerkes, welches sich auf die Auswirkungen des Internets der Dinge auf Geschäftsmodelle, Produktarchitekturen und Unternehmensstrategie konzentrierte. Martin versteht sich auf die Identifizierung struktureller Marktveränderungen und darauf bauenden Gestaltungsspielräumen. Er studierte Politikwissenschaften, Volkswirtschaftslehre und Islamwissenschaften an der Universität Heidelberg.

 

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