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Warum neue Technologien, Geschäftsmodelle und Akteure die Logistik verändern

Digitalisierung, Industrie 4.0 oder digitale Transformation – diese Schlagwörter stehen für die Herausforderungen und Veränderungen der digitalen Welt. Technologischer Wandel, neue Akteure, zunehmende Professionalisierung und sich verändernde Kundenansprüche – all dies wirkt dramatisch. Atemberaubend schnell entstehen neue digitale Produkte und Infrastrukturen. Herkömmliche Prozesse und Herangehensweisen werden dadurch herausfordert. 

Auch die Logistikbranche spürt dies. Die Unternehmen stehen folglich vor gewaltigen Aufgaben – strategisch wie taktisch, aber auch kulturell und strukturell. Denn die Veränderung geschieht so schnell wie niemals zuvor. Da hilft es auch wenig, dass die Branche bereits auf eine lange Geschichte voller Veränderungen zurückblicken kann und stets selbst Treiber der Automatisierung war. Waren vor wenigen Jahrzehnten noch Skaleneffekte, zentralisierte Produktentwicklung und Hardware entscheidend, sind heute Netzwerkeffekte, Software und digitale Ökosysteminnovationen gefragt. Ging es früher insbesondere um die Kontrolle der Lieferkette, sind heute Plattformen und die Orchestrierung von Akteuren entscheidend für Effizienzsteigerungen und Kostensenkungen. Doch warum ist das so?

Ineffizienz ist nicht länger akzeptabel

In einer optimalen Welt entspricht der Materialfluss dem aktuellen Bedarf der Produktion. Diesen Zustand kann die Digitalisierung unterstützen, indem sie Konnektivität, Transparenz, Automatisierung und Flexibilität ermöglicht. Ergebnis sind eine vorausschauende Wareneingangslogistik, informationsgetriebene Steuerungsprozesse oder virtuelle Produktionszwillinge, welche die Bestände in Echtzeit überprüfen und ein präzises Kapazitätsmanagement ermöglichen. Dies ist das Zukunftsbild der Smart Factory. Noch stehen diese Zukunftsanwendungen aber im starken Kontrast zu traditionellen Fabrik- und Warenhallen, in denen heute 80 Prozent der Arbeiten manuell ausgeführt werden. 

 Während der Warenversand auf absehbare Zeit ein physischer Prozess bleiben wird, ist das Management dieses Prozesses wegen der vielen Ineffizienzen dazu prädestiniert, digitalisiert zu werden. Die Folge: Die Logistik wird optimiert auf Durchlaufzeiten, Warenverfolgbarkeit, Dokumentenverwaltung und Preis. Neue Akteure können in den Markt eintreten. Eine Vielzahl von Anbietern konzentriert sich hier auf Routenoptimierung, Flottenmanagement oder die Prognose von Handelsschwankungen. Alle setzen auf Daten, aggregieren und analysieren diese und stellen sie als digitalen Service zur Verfügung.

Das E-Commerce-Wachstum lässt sich mit herkömmlichen Logistikkonzepten nicht mehr abbilden

Auch das Wachstum von digitalen Märkten fordert die Logistik heraus. Zwar entwickelt sich der E-Commerce nicht mehr so rasant wie noch vor einigen Jahren. Allerdings ist bereits eine Durchdringung erreicht worden, die Herausforderungen mit sich bringt. Saisonale Kapazitätsengpässe, wie gerade wieder in der Weihnachtszeit erlebt, fordern neue Lager- und Logistikkonzepte. Hier entwickeln sich allmählich Shared Warehousing-Ansätze zu einer Alternative, die die Lagerhaltung von einem fixen in einen variablen Kostenfaktor verwandeln kann. Damit einhergehend verändern sich auch die Abläufe innerhalb von Lagern. Die Automatisierung von Prozessen wie der  Kommissionierung oder des Scannens sind hier entscheidend. Die Inflation der Arbeitskosten und der Personalnotstand verstärken diesen Trend noch. 

Überbordende Kundenerwartungen auf letzten Meile 

Für die  Kunden ist es selbstverständlich, dass sie ihre Ware schnell und zugleich kostenlos geliefert bekommen. Um diesen Wunsch zu erfüllen müssen die Logistikdienstleister einerseits die Kosten senken und zugleich zeitlich effizienter werden und zum anderen zusätzliche Kapazitäten aufbauen. Eine Lösung können dezentrale Lager sein, die nahe an den Verbraucher rücken. Aber auch Click & Collect-Strategien in Kollaboration mit dem Einzelhandel sind eine mögliche Lösung. 

 Die Herausforderungen und Veränderungen sind also immens. Allerdings verbirgt sich auch in der Logistik hinter der digitalen Transformation großes Potenzial. Lieferketten werden in den nächsten Jahren von digitalen Technologien wie künstlicher Intelligenz, Blockchain, Internet of Things, Cloud und weiteren stark profitieren. Aus linearen Prozessen werden dynamische, vernetzte und offene Systeme mit vielen eingebundenen Partnern, die in Echtzeit und nahezu autonom interagieren und nachfrage- und ergebnisorientierte Dienstleistungen anbieten. 

Ein Blick auf die Automobilindustrie reicht aus, um eine Idee davon zu erhalten, wie ein digitales Ökosystem wirkt. Die Logistik steht heute erst am Beginn einer radikalen Veränderung, die die Relevanz und Präsenz der Branche im Alltag massiv verändern wird. Etablierte Unternehmen sollten hier ihre Vorteile ausspielen. Mit ihrer Expertise und ihren etablierten Kundenbeziehungen haben sie digitalen Start-ups und Disruptoren einiges voraus. Vielen fehlt nur der Mut, sich auf das Unbekannte einzulassen und Innovation voranzutreiben.

Über die Autoren
René Schäfer unterstützt unsere Kunden dabei, Treiber von sich verändernden Systemen, Bedürfnissen und Umbrüchen zu antizipieren, zu verstehen, zu analysieren und Ableitungen für das eigene Umfeld zu treffen. Er beschäftigt sich mit den Grundlagen der Internetökonomie und den Auswirkungen von Zukunftstechnologien. Jasper von Fintel begleitet unsere Kunden als Associate bei der Konzeption, Validierung und Umsetzung digitaler Geschäftsmodelle und strategischer Initiativen.

*Dieser Artikel erschien zuerst in der DVZ 

Wegbereiter einer neuen Wertschöpfungs-Welt

 

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