3 Fragen an Robin Nehring

Robin ist Head of Corporate Development der Stadtsparkasse Düsseldorf. Gemeinsam mit seinem Team entwickelt er strategische Handlungsempfehlungen für den Vorstand, um das Unternehmen zukunftsgerichtet auszurichten. Dies umfasst insbesondere die zentrale Bündelung von Innovations- und Digitalisierungsaktivitäten sowie das Transformationsmanagement. Zusätzlich engagiert sich sein Team in diversen zentralen Projekten des Dachverbandes, dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV). 

Robin, was ist deiner Meinung nach ein geeigneter Ansatz, um neue Ideen und disruptive Innovationen in eine traditionelle Institution zu bringen, wie es die Sparkassen-Finanzgruppe ist?

Diese Frage lässt sich pauschal nicht so einfach beantworten. Generell ist es dabei stark von dem Thema abhängig, welches in die Gruppe gebracht werden soll. Die Sparkassen-Finanzgruppe ist mit ihren 520 Verbundunternehmen grundsätzlich dezentral geführt und organisiert sich übergeordnet über den Dachverband „Deutscher Sparkassen- und Giroverband“ und seinen Regionalverbänden.

Um nun Innovationen innerhalb der Sparkassen zu etablieren, ist es wichtig, dass die Teilnehmer der Gruppe mutig sind, Dinge ausprobieren und einzelne Themenfelder für sich definieren, die sie voranbringen wollen. Die Stadtsparkasse Düsseldorf hat aktuell z.B. ihren Fokus auf die Transformation der Firmenkundengeschäfte oder auf die Zielgruppe GenZ gelegt und anschließend Formate wie die Open Innovation Challenge unter dem Hashtag #buildyourbank (www.sskduesseldorf.de/challenge) ins Leben gerufen. 

Ist einmal der Proof of Concept in einer Sparkasse gelungen, ist es leichter, das Thema auch in weiteren Sparkassen zu integrieren. Die Größe und die Tradition der Organisation ist dabei meiner Meinung nach keine Schwäche, sondern bietet viel Potenzial für Innovationen. Wir genießen ein hohes Vertrauen bei unseren Kunden und sind in vielen Dingen auch der erste Ansprechpartner außerhalb der klassischen Finanzdienstleistungen. Bringen wir also neue Produkte oder Dienstleistungen auf den Markt, werden diese auch meistens gut angenommen. Ein gutes Beispiel ist hier Apple Pay.

Um jedoch möglichst viele Institute in der Organisation auf diesem Weg mitzunehmen ist es wichtig, dass übergreifende Standards und Orientierungshilfen vorhanden sind. Diese Dinge erarbeiten wir über zentrale Projekte. Hier haben wir beispielsweise Leitsätze entwickelt, die den Sparkassen dabei helfen sollen sich auf die Digitalisierung auszurichten.   

Insgesamt gibt es also drei wesentliche Erfolgsfaktoren:

  1. Die Mitarbeiter müssen ihre eigene Innovationskraft ausschöpfen und mutig sein, nur so können wir von unserer Schwarmintelligenz profitieren. 
  2. Gewisse Themen sollten zentral, unter Einbezug der dezentralen Sparkassen entwickelt und vorangebracht werden.
  3. Es ist notwendig möglichst die gesamte Gruppe mitzunehmen, um das volle Innovationspotenzial auszuschöpfen.

Darüber hinaus gehen wir als Stadtsparkasse aktiv in Kooperationen mit jungen, innovativen Start-ups, um einen Mehrwert in der Wertschöpfungskette unserer Privat- und insbesondere Firmenkunden, aber auch bei uns selbst zu erzielen. Hierzu haben wir strategische Beteiligungen an den beiden Venture Capital Fonds Capnamic Ventures und neoteq Ventures, begleiten den Deal-flow aktiv, um so relevante Geschäftsmodelle und Technologien frühzeitig aufzugreifen.

Seit Mai 2021 bist du Head of Corporate Development bei der Stadtsparkasse Düsseldorf. Welche heißen Themen wirst du die nächsten Monate voran bringen?

Corona hat auch bei uns dazu geführt, dass wir die eigenen Aktivitäten verstärkt auf die Themen Digitalisierung und Innovation lenken und damit die Transformation der Organisation beschleunigen.

Wir werden uns in den nächsten Monaten intensiv mit dem Thema GenZ beschäftigen. Bereits im letzten Jahr haben wir mit der Open Innovation Challenge #buildyourbank diese Zielgruppe direkt angesprochen und in den Ideenprozess eingebunden. In einem nächsten Schritt wird es darum gehen, aus den Ergebnissen ein ganzheitliches Konzept zu entwickeln und umzusetzen.

Wir sehen, dass die GenZ sehr heterogene Bedürfnisse und Erwartungen hat und möchten uns darauf zielgerichtet ausrichten. Wir haben hier schon einige Initiativen erfolgreich gestartet und z.B. einen TikTok Kanal mit ca. 140.000 Followern und über 3 Millionen Likes innerhalb der letzten 6 Monate aufgebaut.

Hinzu kommt, dass wir in der Stadtsparkasse Düsseldorf auf agile Arbeitsmethoden auf dem Weg der Transformation und entlang von Customer Journeys setzen, uns intensiv mit der Digitalisierung unseres Firmenkundengeschäfts beschäftigen, datengetriebene Geschäftsmodelle entwickeln und unsere Kundenansprachen entlang aller verfügbaren Kanäle („Omnikanal“) weiter ausbauen.

Zusammen mit Patrick Fritz hast du vor einem Jahr euren eigenen Podcast „Plaudertaschen“ gestartet. Dort sprecht ihr mit Gästen über Themen wie neue Geschäftsmodelle, Innovationen, Digitalisierung, FinTechs, New Work und Disruption im Banking. Was war dein persönlich größtes Highlight aus den bisherigen Podcast Folgen? 

Seit Anfang letzten Jahres sind Patrick Fritz und ich Host von dem Plaudertaschen-Podcast, der sich rund um das Banking von morgen, Innovation, Technologie und neuen Arbeitsformen dreht. Um mal ein paar Zahlen zu nennen: Wir haben 36 veröffentliche Folgen, 40 Gäste, knapp 55.000 Plays und sind regelmäßig in den Top 50 der Podcast-Charts in der Kategorie Wirtschaft. Das sind Zahlen, die uns zum einen natürlich sehr stolz machen und zum anderen aber auch zeigen, dass das Themengebiet von großer Relevanz ist und auf großes Interesse bei unseren Zuhörern trifft. Die Finanzbranche ist im Wandel und ich muss sagen, dass die Themen die wir mit unseren Gästen beleuchten einfach sehr vielfältig sind. Von OKRs als Steuerungsmethode über Data Analytics und Künstliche Intelligenz in Banken und Sparkassen bis hin zu neuen Arbeitsformen.

Jetzt ist nach meinem persönlichen Highlight gefragt: Gar nicht so einfach… Wir hatten in einer Folge Sebastian Scheib aus dem Main Incubator von der Commerzbank Gruppe zu Gast und haben festgestellt, dass Innovationsarbeit in Banken und Sparkassen sehr ähnlich abläuft und in gewisser Form unabhängig von der Größe des Instituts ist. 


About Stadtsparkasse Düsseldorf

Rund 1.500 MitarbeiterInnen arbeiten für die Stadtsparkasse Düsseldorf. Das Team aus dem Bereich Unternehmensentwicklung hat hierbei die Schwerpunkte Ideengenerierung, Priorisierung und Umsetzung sowie Transformation in die Organisation. Die Stadtsparkasse Düsseldorf ist u.a. an den beiden Venture Capital Fonds Capnamic Ventures und neoteq ventures mit dem Fokus auf B2B Tech-Startups beteiligt und nutzt den Dealflow, um strategisch relevante Innovationen frühzeitig für sich zu identifizieren.

About Robin Nehring

„Do it with passion, or not at all“. Unter diesem Motto gründete Robin mit seinem Co-Host Patrick Fritz Anfang des Jahres 2020 den Plaudertaschen-Podcast (www.plaudertaschen-podcast.de) über das Banking von morgen. Bis heute können sie über 55.000 Plays und über 15 Stunden Podcastgeflüstere auf ihrem Konto verzeichnen. Zwischen 2004 und 2012 spielte Robin professionell Golf in der 1. Bundesliga und war hier erfolgreich bei zahlreichen nationalen als auch internationalen Turnieren zu sehen. Aktuell ist er Head of Corporate Development bei der Stadtsparkasse Düsseldorf. Falls er mal nicht auf dem Golfplatz steht oder das Banking von morgen vorantreibt, hält er Vorlesungen über Innovationsmanagement im Hörsaal oder auf der Bühne als Speaker. 

 

Author

Dr. Sebastian Voigt

Dr. Sebastian Voigt ist Senior Vice President bei hy und Geschäftsführer von hy's Tech- und Software-Unit hy Technologies, die den Ecosystem Manager entwickelt. Er studierte Betriebswirtschaftslehre und Informatik und promovierte an der TU Darmstadt über Monetarisierungsstrategien für digitale Marktplätze. Sebastian entwickelt seit mehr als 15 Jahren profitable digitale Geschäftsmodelle. Er arbeitete als Director bei Simon-Kucher & Partners, einer internationalen Unternehmensberatung, und leitete die strategischen Projektteams sowie die Pricing Unit bei Axel Springer. Außerdem hatte er operative Führungspositionen bei Bertelsmann und ProSiebenSat1 inne.