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Corporate Venturing Beispiel: Google Ventures

GV, früher bekannt als Google Ventures, ist der Early-Stage Venture Capital Arm von Alphabet. Das Unternehmen hat sich in den letzten fünf Jahren zum aktivsten Corporate VC-Arm der Unternehmenswelt entwickelt. 2018 investierte GV in 82 Deals, mit einem Investitionsvolumen von $5,3 Milliarden. Insgesamt war GV seit der Gründung im Jahr 2009 an 731 Runden beteiligt, hat knapp 263 Unternehmen im aktiven Portfolio und kann 210 Exits vorweisen. Alphabet selbst hat seit 2009 sein F&E-Budget um fast das Zehnfache auf $21,4 Mrd. erhöht. Als Konsequenz hat sich GV zu einem Mega-Fonds mit $4,5 Milliarden Assets under Management (AUM) entwickelt. Das erlaubt es GV Runden von bis zu $300 Mio. anzuführen.

GV behauptet ausschließlich finanziell orientiert zu sein. Das unterscheidet sie von den meisten anderen Corporate Venture Capital Investoren, die oftmals zusätzlich noch strategische Ziele verfolgen. Das Portfolio von GV könnte sich daher breit und unabhängig von den strategische Zielen von Alphabet aufstellen. In der Praxis zeigt sich jedoch eine enge Übereinstimmung mit den strategischen Prioritäten der Muttergesellschaft.

Der Website von GV kann man entnehmen, dass der Investment-Fokus auf den Sektoren Enterprise, Life Sciences, Consumer und disruptiven Technologien, wie Künstliche Intelligenz, Robotik, Autonomie und Cybersecurity, liegt. Derzeit sind die Bereiche Life Sciences, Healthcare, Mobility und SaaS besonders ausgeprägt.

GV hat unter anderem in Unternehmen wie Slack, Toast, Uber oder Lime investiert. Gerade die Investitionen in Uber oder Lime ermöglichen die Stärkung von Kernprodukten. Sie generieren aber auch neue Absatzkanäle. Uber und Lime bezahlen jährlich hunderte von Millionen US-Dollar für Google Maps Services, Marketing, Werbung und Cloud Dienste. Ähnliches gilt für die KI Produkte TensorFlow und TPU sowie für SaaS Cloud Angebote, die von Uber und Lime benutzt werden. Es zeigt sich, dass die GV Investments sich mit dem strategischen Interesse von Alphabet, das Thema Ridesharing aktiv zu besetzen, durchaus decken. Unterstützt wird dies zudem durch das Milliarden-Investment von CapitalG, Alphabet’s Growth Equity Investment Fund, in das Ridesharing Unternehmen Lyft. Es gehört wohl zum guten Ton, sich als frei und unabhängig darzustellen. In der Praxis ist es dann doch nicht so einfach.

GV veröffentlicht keine Metriken zur finanziellen Performance. Nach Aussage von GV beurteilt Alphabet den Erfolg anhand historischer Renditen. Die Portfoliodaten deuten aber darauf hin, dass sie ähnliche Ergebnisse wie unabhängige VCs erzielen.

Autor

René Schäfer

René Schäfer ist Engagement Manager bei hy unterstützt unsere Kunden dabei Treiber von Veränderungen und Umbrüchen zu verstehen, zu analysieren und Ableitungen für das eigene Umfeld zu treffen. Er beschäftigt sich mit den Grundlagen der Internetökonomie, plattformbasierten Geschäftsmodellen und den Auswirkungen von Zukunftstechnologien. Zuvor gründete er Hypermorgen, eine Beratungsfirma für strategische Vorausschau, die Kunden mit empirischen Recherchen, Modellanalysen und Kommunikationsstrategien zu langfristigen Zukunftsfragen versorgt. René studierte Geschichte und Philosophie der Wissenschaft und Technik sowie Zukunftsforschung in Frankfurt am Main und Berlin.