Benzinpreise sind politisch aufgeladen, medial präsent und für Millionen Menschen täglich relevant. Seit dem 1. April 2026 gilt in Deutschland die sogenannte Österreich-Regel. Tankstellen dürfen ihre Preise nur noch einmal täglich erhöhen, genau um 12 Uhr mittags. Senkungen sind weiterhin jederzeit möglich. Was als Verbraucherschutz vermarktet wird, ist aus Pricing-Sicht ein tiefer Eingriff in ein dynamisches Preissystem, das über Jahrzehnte gewachsen ist. In Folge 125 spricht Sebastian Voigt mit Steffen Bock, Gründer und Geschäftsführer von Clever Tanken, über die Mechanik hinter Tankstellenpreisen und darüber, warum die neue Regel den Markt ausbremst.
Der Tankstellenmarkt folgt einer klaren Oligopollogik. Aral und Shell setzen Preiserhöhungen durch, kleinere Anbieter und Supermarkt-Tankstellen lösen die Senkungen aus. Historisch gab es im Schnitt 22 Preisänderungen pro Tag und Tankstelle, mit ausgeprägten Tief- und Hochpunkten, die Verbrauchern echte Sparmöglichkeiten boten. Seit der neuen Österreich-Regel fällt genau dieses Muster weg. Steffen Bock erklärt es in der Folge so: „Es ist keine Regelung oder keine Hilfe, sondern es ist eine Beruhigungspille.“ Clever Tanken zieht alle zwei Minuten rund 40.000 Kraftstoffpreise von der Markttransparenzstelle ab und hilft Verbrauchern seit 1999 über clevertanken.de und die App, Benzinpreise zu vergleichen und günstig zu tanken. Aktuell verzeichnet die App bis zu 700.000 Downloads im Monat, mehr als dreimal so viel wie in normalen Phasen.
Über den Gast
Steffen Bock ist Gründer und Geschäftsführer von Clever Tanken, das er 1999 in Nürnberg als Community-Projekt startete: Er fuhr selbst mit dem Motorrad Tankstellen ab und trug die Preise manuell in eine Datenbank ein. Aus dieser Idee entstand eine der reichweitenstärksten Mobilitäts-Apps in Deutschland. Bock ist Diplomkaufmann und heute gefragter Medienexperte für Kraftstoffpreise, unter anderem regelmäßig bei Stern TV.