Dürfen wir das? Die Frage, die kein Strategiepapier beantwortet.

Person blickt von hinten durch eine Glastür nach draußen, Sinnbild für die moralische Frage im Verteidigungsmarkt

In fast jedem Gespräch über den Verteidigungsmarkt kommt der Moment, in dem die Zahlen und Strategien zur Seite treten und eine leisere Frage auftaucht. Sie wird selten offen gestellt, aber sie ist fast immer da. Dürfen wir das überhaupt? Wollen wir ein Unternehmen sein, das an Verteidigung verdient? Was sagen unsere Mitarbeiter, unsere Familien, unsere Kunden?

Ich nehme diese Frage ernst, und ich halte wenig von den schnellen Antworten, die man in beide Richtungen hört. Wer sie mit einem Verweis auf die gute Auftragslage wegwischt, macht es sich zu leicht. Wer sie zum unüberwindbaren Einwand erklärt, macht es sich ebenso leicht. Die Frage verdient mehr als beides.

Die moralische Frage lässt sich nicht delegieren, nicht an den Markt, nicht an die Politik, nicht an ein Strategiepapier. Sie bleibt beim Unternehmer.

Warum die Frage heute anders klingt als vor einigen Jahren

Lange konnte man Verteidigung als etwas betrachten, das andere machen, weit weg vom eigenen zivilen Geschäft. Diese Distanz ist verschwunden. Die veränderte Sicherheitslage hat vielen bewusst gemacht, dass Verteidigungsfähigkeit keine Selbstverständlichkeit ist, sondern eine Voraussetzung für alles, was wir für normal halten, für offene Gesellschaften, für Handel, für die Freiheit, überhaupt unternehmerisch zu denken.

Das verschiebt die moralische Frage. Sie lautet nicht mehr nur, darf ich an Verteidigung mitwirken. Sie lautet auch, darf ich mich entziehen, wenn ich die Fähigkeit hätte, beizutragen. Beide Seiten der Frage haben ihr Gewicht, und ich glaube, ehrlich ist nur, wer beide aushält, statt eine davon vorschnell zum Schweigen zu bringen.

Meine persönliche Antwort, ohne sie jemandem aufzuzwingen

Ich bin für mich zu einer Haltung gekommen, und ich teile sie als das, was sie ist, meine Sicht, nicht ein Urteil über andere. Ich glaube, dass die Verteidigung einer offenen, demokratischen Gesellschaft legitim ist, und dass es ehrenwert sein kann, dazu beizutragen. Verantwortungsvoll heißt für mich, sich der Tragweite bewusst zu sein, die Grenzen des eigenen Handelns zu kennen und die Frage wachzuhalten, statt sie ein für alle Mal abzuhaken.

Denn das ist vielleicht der wichtigste Punkt. Die moralische Frage begleitet die Entscheidung dauerhaft. Ein Unternehmen, das sie sich immer wieder stellt, handelt verantwortungsvoller als eines, das sie nie gestellt oder vorschnell für erledigt erklärt hat.

Wer sie sich stellt, ist genau der Unternehmer, dem man diesen Markt wünscht.

Der Bericht zeigt, welche Fragen eine vollständige Reifeprüfung umfasst. Der Download ist ab jetzt verfügbar, hier geht’s zum Report. Wer diese Prüfung ernsthaft angehen will, sollte besprechen, wie sie sich auf das eigene Unternehmen zuschneiden lässt, am besten im Gespräch.
220128 - Portrait - Christian Geiss
Autor

Christian Geiss

Als Senior Vice President bei hy unterstützt Christian unsere Geschäftskunden bei der Entwicklung, Validierung und Kommerzialisierung disruptiver Geschäftsmodelle. Bevor er zu hy kam, war er Director Global Business Innovation bei Mercedes-Benz. In dieser Position erfand er „Mercedes.me“, Benchmark für die direkte und digitale Kundeninteraktion, sowie  „CarMesh“, eine Technologie für  KI-basierten Datenaustausch für Fahrzeuge. Als Mitbegründer und CMO von „Car2Go“ qualifizierte sich Christian für Fast-Track-Programme bei Daimler. Vor seiner Karriere bei Daimler gründete er Deutschlands erste Online-Vertriebsplattform zur Wiedervermarktung von Flotten- und Firmenwagen. Christian hat einen Abschluss in Betriebswirtschaftslehre der Universität zu Köln mit den Schwerpunkten Marketing und Informationstechnologie.