Verteidigung war Manufaktur. Jetzt wird Serie verlangt, in jeder Dimension.

Serienhersteller haben den Verteidigungsmarkt lange zu Recht gemieden. Verteidigung war Manufakturgeschäft: kleine Stückzahlen, hochspezialisierte Systeme, oft nur Dutzende Einheiten. Wer große Mengen effizient fertigt, hatte dort kein Geschäftsmodell. Diese Einschätzung war jahrzehntelang richtig, und genau deshalb ist ihr Kippen so folgenreich.

Denn der Bedarf dreht sich. Quer durch alle Kategorien wird heute mehr vom Gleichen verlangt, und zwar wiederkehrend. Das gilt für die Flugabwehrrakete ebenso wie für die Drohne. Die absoluten Zahlen könnten unterschiedlicher kaum sein, einige Hundert hier, viele Tausend dort. Aber die Richtung ist in beiden Fällen dieselbe: weg vom Einzelstück, hin zur verlässlichen Serie. Und genau hier stößt die klassische Rüstungsindustrie an eine Grenze, die in ihrer Geschichte angelegt ist. Sie wurde für das Einzelsystem gebaut, nicht für die Wiederholung in Menge.

Der Verteidigungsmarkt fragt nicht mehr nur nach dem besten Einzelstück, sondern nach der Fähigkeit, es verlässlich zu wiederholen. Diese Fähigkeit besitzt die klassische Rüstung am wenigsten.

Warum Serie hier nicht Massenfertigung heißt

Damit ist eine Versuchung verbunden, der zivile Hersteller schnell erliegen. Wer aus der Großserie kommt, aus Automobil oder Konsumgüterfertigung, hört Serie und denkt an Hunderttausende. Das ist der falsche Maßstab. Der Verteidigungsmarkt bestellt keine Hunderttausend. Er bestellt einige Tausend, in anspruchsvoller, dokumentierter, oft sicherheitskritischer Qualität. Wer mit einer auf reinen Massenausstoß getrimmten Kostenstruktur einsteigt, verschätzt sich ebenso wie der Manufakturbetrieb, nur in die andere Richtung.

Und es gibt eine zweite Grenze, die man ehrlich benennen muss. Serienerfahrung ist übertragbar, Qualifikationsfähigkeit nicht automatisch. Eine Drohne ist im Kern Elektronikmontage mit kurzen Zyklen. Eine Rakete ist ein sicherheitskritisches System mit aufwendiger Zulassung und Rückverfolgbarkeit. Wer Serie beherrscht, bringt die halbe Miete mit, die Fertigungsdisziplin. Die andere Hälfte, die Qualifikation für das jeweilige Produkt, muss er sich erarbeiten. Die eigene Serienstärke ist die Eintrittskarte, nicht der Freifahrtschein.

Wo die zivile Industrie wirklich gebraucht wird

Damit wird die entscheidende Fähigkeit sichtbar, und sie ist selten. Sie liegt nicht bei dem, der die größten Mengen fährt, und nicht bei dem, der das feinste Unikat baut, sondern bei dem, der die anspruchsvolle Serie beherrscht: verlässlich, in hoher und dokumentierter Qualität, in Stückzahlen, die zu Tausenden passen und nicht zu Millionen.

Diese Industrialisierungskompetenz ist die eigentlich knappe Ressource des Marktes, nicht die Innovation. Die etablierten Anbieter sagen es selbst, ihr Übergang von der Werkstattfertigung zur strukturierten Produktionsstraße fällt ihnen schwerer als anderen Industrien. Genau dort setzt die zivile Industrie an. Wenn ein Systemhaus die Serienfertigung einer Baugruppe an einen erfahrenen Zulieferer vergibt, dann selten wegen dessen Rüstungstechnik. Es vergibt sie, weil dieser das kann, was dem Systemhaus am schwersten fällt: zuverlässig in Serie fertigen.

Die Frage für ein Industrieunternehmen ist deshalb nicht, ob es Rüstungsprodukte entwickeln kann. Sie lautet, ob es die anspruchsvolle Serie beherrscht, die dieser Markt jetzt verlangt. Wer das kann, bringt genau die Fähigkeit mit, an der es gerade am meisten fehlt.

Der Bericht ordnet ein, welche industriellen Fähigkeiten im Verteidigungsmarkt jetzt den Unterschied machen. Der Download ist ab jetzt verfügbar, hier geht’s zum Report. Wer seine Serienkompetenz für diesen Markt einschätzen will, sollte das Gespräch nicht zu lange aufschieben.
220128 - Portrait - Christian Geiss
Autor

Christian Geiss

Als Senior Vice President bei hy unterstützt Christian unsere Geschäftskunden bei der Entwicklung, Validierung und Kommerzialisierung disruptiver Geschäftsmodelle. Bevor er zu hy kam, war er Director Global Business Innovation bei Mercedes-Benz. In dieser Position erfand er „Mercedes.me“, Benchmark für die direkte und digitale Kundeninteraktion, sowie  „CarMesh“, eine Technologie für  KI-basierten Datenaustausch für Fahrzeuge. Als Mitbegründer und CMO von „Car2Go“ qualifizierte sich Christian für Fast-Track-Programme bei Daimler. Vor seiner Karriere bei Daimler gründete er Deutschlands erste Online-Vertriebsplattform zur Wiedervermarktung von Flotten- und Firmenwagen. Christian hat einen Abschluss in Betriebswirtschaftslehre der Universität zu Köln mit den Schwerpunkten Marketing und Informationstechnologie.